Reise ins Desaster: 5 verunglückte Expeditionen

Chimborazo Berg Expedition Alexander von Humboldt

Wir wollen Dir sicher keine Angst vor dem Reisen machen, aber so mancher Trip ist in der Vergangenheit richtig schief gegangen. Zugegeben, das war lange vor der Erfindung des Wortes „Urlaub“ und zu einer Zeit, als die Welt noch gefährlich und Landkarten voller weißer Flecke, Fabelwesen und nicht vorhandener Inseln waren.

Hier sind die fünf berühmtesten Reisen, die im Desaster endeten.

Humboldt besteigt den höchsten Berg der Welt

Alexander von Humboldt Expedition Südamerika Chimborazo FehlschlagDer deutsche Forschungsreisende Alexander von Humboldt (1769-1859) unternahm von 1799 bis 1804 seine „Reise in die Äquinoktial-Gegenden des Neuen Kontinents“, wie er seinen späteren Reisebericht nannte. Das Forschungsunternehmen war als Ganzes sehr erfolgreich. Humboldt bereiste große Teile des Orinoko, besuchte das heutige Peru, die Insel Hispaniola, schlug sich durch Mexiko und in die Anden.

Hier versuchte er den damals als höchsten Berg der Welt angesehenen Chimborazo (Bild oben) zu besteigen, und zwar mangels moderner Bergsteigerausrüstung mit primitivsten Mitteln und in der Kleidung eines, nun ja, europäischen Reisenden. Gleich zweimal ging das schief. Humboldt musste schließlich mit blutenden Lippen und Augen (wegen der Höhenkrankheit), Erfrierungen und großen Orientierungsproblemen aufgeben, nachdem er mit seinen Begleitern fast von einem schmalen Grat gefallen war. Seine Aufzeichnungen über das Abenteuer sind auch veröffentlicht worden: unter dem bescheidenen Titel „Über einen Versuch den Gipfel des Chimborazo zu ersteigen“.

Weiterlesen: Alexander von Humboldt – Über einen Versuch den Gipfel des Chimborazo zu ersteigen

Franklin verfährt sich in der Nordwestpassage

johnfranklin_BiblioArchives - LibraryArchivesWesentlich schlimmer erging es John Franklin (1786-1847). Am 19. Mai 1845 stach er mit den beiden etwas unheilvoll benannten Schiffen HMS Terror und HMS Erebus (letzterer Name bezeichnet den griechischen Gott der Finsternis) und 129 Mann Besatzung in See, um die Nordwestpassage und damit einen kürzeren Seeweg von Europa nach Asien zu finden. Franklin hatte Vorräte für drei Jahre dabei, verfuhr sich aber in den Eismassen der Arktis.

Den ersten Winter verbrachten die Schiffe in vor der kanadischen Insel Beechey Island, im zweiten Winter wurden sie vor King William Island vom Packeis eingeschlossen und kamen auch ein Jahr später nicht mehr frei. Franklin selbst starb am 11. Juni 1847 aus unbekannter Ursache. Die Überlebenden gaben danach ihre Schiffe auf und suchten nach einem Landweg nach Süden und in die Sicherheit. Keiner von ihnen wurde lebend wieder gesehen.

Weiterlesen: Fergus Fleming – Barrow’s Boys. Die unglaubliche Geschichte von wahrem Heldenmut und bravourösem Scheitern

Leichhardt versucht, Australien zu durchqueren

Ludwig Leichhardt (1813-1848) war ein deutscher Entdecker, Zoologe und Botaniker, der 1842 nach Australien kam, um das bis dahin noch fast unbekannte Innere des Kontinents zu erforschen. Auf seiner ersten Expedition durchquerte er 1844 und 1845 als erster Mensch Queensland und beschrieb Tier- und Pflanzenwelt in seinem Bericht genau wie die australischen Ureinwohner.

Ein Jahr später machte er sich auf, das Land von Osten bis zum Swan River in Westaustralien zu durchqueren. Nach ein paar Monaten scheiterte er an immensen Regenfällen, Fliegen, Moskitos und Krankheiten in seiner Mannschaft. Er gab auf und kehrte schließlich nach Sydney zurück. Sein zweiter Versuch, den Landweg nach Perth zu finden, endete 1848 im Desaster. Er wurde am 3. April zuletzt gesehen, und zwar in den Darling Downs, einer Farmregion ganz im Osten Australiens.

Australien Wüste Ludwig Leichhardt Expedition

Spätere Suchexpeditionen fanden nur ein paar Bäume, die mit einem „L“ gekennzeichnet wurden. Erst im Jahr 1900 wurde eine Messingplatte mit Leichhardts Namen zwischen der Tanamiwüste im Norden und der Großen Sandwüste gefunden. Und im Jahr 2003 tauchte ein Brief auf, der eine Geschichte der Aborigines beschreibt, in der es um eine getötete Gruppe weißer Männer geht, die mit einer großen Zahl Esel und Rinder unterwegs waren.

Weiterlesen: Heike Hartmann (Hrsg.) – Der Australienforscher Ludwig Leichhardt. Spuren eines Verschollenen

Scott stirbt auf dem Rückweg

Die Briten in ihrem ungebrochenen Entdeckerdrang hatten zweifellos die meisten Opfer zu beklagen, wenn es um Expeditionen geht. Robert Falcon Scott (1868-1912)steht regelmäßig an der Spitze dieser tragischen Helden. 1910 war das letzte Stückchen Erde, das noch nicht erobert wurde, der Südpol. Ernest Shackleton (zum dem wir gleich noch kommen) war ein Jahr zuvor nur knapp 100 Meilen vor dem Pol zum Umkehren gezwungen worden. Scott machte sich mit Pferden, Motorschlitten und ein paar Schlittenhunden auf dem Schiff Terra Nova auf den Weg, schlug sein Basislager im McMurdo Sund auf und verbrachte das Jahr 1911 damit, Depots anzulegen und sich auf den Trip zum Südpol vorzubereiten.

Als er im antarktischen Sommer 1911 endlich aufbrach, hatte er sofort mit Problemen zu kämpfen, die einige Experten später seiner schlechten Planung zuschrieben. Die Motorschlitten erwiesen sich als nutzlos, ebenso die Ponys, und Scott war der Meinung, dass echte Briten am besten vorankämen, wenn sie ihre Schlitten selbst ziehen. Scott hatte außerdem erfahren, dass der Norweger Roald Amundsen sich zur gleichen Zeit Richtung Südpol aufgemacht hatte. Offiziell wollte Scott es nicht eingestehen, aber er befand sich in einem Rennen mit Amundsens Schlittenhunden. Und die waren der Aufgabe wesentlich besser gewachsen.

Robert Falcon Scott South Pole Antarctica Expedition

Amundsen erreichte als erster Mensch am 16. Dezember 1911 den Südpol, und zwar auf einer erstaunlich ereignis- und problemlosen Tour. Scott und vier seiner Mitstreiter fanden Amundsens Zelt und Markierungen erst 34 Tage später, als sie völlig ausgemergelt ebenfalls den Pol erreichten, wie auf einem Foto der erschöpften Männer am Südpol zu sehen ist, das später gefunden wurde. Die eigentliche Tragödie begann aber erst auf dem Rückweg. Scott hatte Probleme mit der Einteilung des Proviants und Heizmittels, einer seiner Männer verletzte sich und starb. Ein weiterer hatte starke Erfrierungen und beging Selbstmord, weil er der verbleibenden Gruppe nicht zur Last fallen wollte. Scott selbst und seine zwei übrigen Mitstreiter, der Arzt Edward Wilson und Proviantmeister Henry Bowers, erfroren und verhungerten schließlich in ihrem Zelt während eines Schneesturms, nur 18 Kilometer vom nächsten Depot entfernt. Das Zelt und die Leichen wurden erst im nächsten Frühling gefunden.

Weiterlesen: Diana H. Preston – In den eisigen Tod. Robert F. Scotts Expedition zum Südpol

Shackleton scheitert, bevor es richtig losgeht

Ernest Shackleton (1874-1922) war zwischen 1901 und 1904 zusammen mit Scott in der Antarktis, versuchte ein Jahr vor Scott – mit dem er sich inzwischen überworfen hatte -, den Südpol zu erreichen und musste sich schließlich dem Norweger Roald Amundsen geschlagen geben. Danach war er der Meinung, dass das letzte große Abenteuer die Durchquerung der Antarktis sei und fuhr mit der Endurance schließlich zur letzten großen Antarktis-Expedition los. Ein weiteres Schiff, die Aurora, sollte die Expedition von der anderen Seite des Kontinents unterstützen und Versorgungsdepots anlegen, damit Shackleton nach der Überquerung des Südpols heile wieder an die Küste des Kontinents kommen würde.

Soweit der Plan. Bei der Ausführung ging leider so gut wie alles schief. Die Endurance wurde vom Packeis eingeschlossen, bevor sie ihr Ziel erreichen konnte, zerdrückt und sank. Shackleton konnte schließlich in einem kleinen, offenen Boot das 1.300 Kilometer entfernte Südgeorgien erreichen, um Hilfe für seine Mannschaft zu holen, die unterdessen auf der unbewohnten Elephant Island ausharrte.

Die Aurora wurde während eines Sturms von ihrem Ankerplatz abgetrieben und trieb manövrierunfähig auf dem Ozean, bis sie Monate später in Neuseeland eintraf. Zehn Männer der Besatzung waren unterdessen in der Antarktis gestrandet. Trotzdem erfüllten sie ihre Aufgabe, legten Depots für Shackleton an – obwohl der seine Antarktis-Querung natürlich nie in Angriff nahm – und warteten auf ihre Rettung. Drei der Männer starben während der Mission, alle anderen konnten später gerettet werden.

Weiterlesen: Alfred Lansing – 635 Tage im Eis. Die Shackleton-Expedition

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Vielen Dank an JrScientist, BiblioArchives / LibraryArchives, squigglycircle , Recuerdos de Pandora, und Václav Synáček für die Bilder von Flickr.

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