Backpacking für Anfänger, Teil VII: Work & Travel in Australien

Backpacker-Serie Lego

Wer träumt nicht davon, einmal ans andere Ende der Welt zu reisen? Metropolen wie Sydney und Melbourne erkunden, am Great Barrier Riff tauchen, an weißen Stränden surfen oder auf einer Fahrt durchs Outback Kängurus in freier Wildbahn antreffen? Australien ist ein beliebtes Ausflugsziel – sei es, um dort zu jobben, ein Studiensemester zu absolvieren, eine Sprachschule zu besuchen oder lediglich zum Reisen. Im siebten Teil unserer Backpacking-Serie für Anfänger fahren/schwimmen/fliegen wir mit Dir nach Down Under.

Von Daniela Konefke

Was ist Work & Travel?

Junge Leute im Alter von 18 bis 30 Jahren können Australien im Rahmen eines Working-Holiday-Aufenthaltes bis zu zwölf Monate lang erkunden. Einfach losreisen, ohne vorher viel Geld angespart zu haben und die Reisekasse unterwegs mit Nebenjobs aufbessern, selbst entscheiden, wo und wie viel Du arbeiten willst und dabei Erfahrungen sammeln, die für die spätere Berufslaufbahn von Bedeutung sind – das Gefühl von Freiheit könnte wohl kaum größer sein.

Arbeit gibt es unter anderem auf Baustellen, im Verkauf, der Landwirtschaft und in der Gastronomie. Der durchschnittliche Stundenlohn liegt bei 15 AUD (etwa 10 Euro). Du musst für Deinen Verdienst Steuern zahlen, kannst dir diese aber am Ende deines Aufenthaltes zurückerstatten lassen. Der wohl typischste Backpacker-Job ist der des Erntehelfers (sogenanntes fruit picking). Die Aufgaben reichen von der eigentlichen Ernte über Sortieren und Verpacken bis hin zu Stallarbeit oder dem Reparieren von Zäunen. Die Arbeit ist körperlich anstrengend und reich wird man dabei selten, aber dafür lernst du viele neue Leute kennen und erlebst den Alltag auf einer australischen Farm hautnah. Wer mindestens drei Monate in der Landwirtschaft tätig ist, kann zudem sein Working-Holiday-Visum um ein weiteres Jahr verlängern.

Sydney

Von Ort zu Ort

Australien lässt sich am besten mit dem eigenen Fahrzeug erkunden. Die Straßen sind in einem gutem Zustand, das Verkehrsaufkommen ist gering und Benzin ist um einiges günstiger als in Deutschland (etwa 1,50 AUD/1 Euro pro Liter). Zudem gelangt man so auch in die abgelegenen Ecken und Winkel des Landes und kann dann dort (oft frei) campen. Ebenso beliebt sind Campervans, die sich binnen Sekunden vom Fahrzeug in ein Schlafquartier umfunktionieren lassen. So muss man nicht erst bei Einbruch der Dunkelheit anfangen, das Zelt aufzubauen, man genießt größeren Schutz bei Kälte und Unwetter, das Hab und Gut ist besser gegen Diebstahl geschützt und man kann auch mal die ein oder andere Nacht am Straßenrand übernachten.

Wer lieber mit öffentlichen Verkehrsmitteln reist, kann auf Busunternehmen wie Greyhound oder Premier zurückgreifen. Diese operieren landesweit, kleinere Orte oder Nationalparks erreicht man so aber nicht. Eine attraktive Alternative, besonders für Alleinreisende, sind sogenannte Backpacker-Busse (zum Beispiel Oz Experience). Diese steuern im Gegensatz zu „normalen“ Bussen auch Sehenswürdigkeiten an, die außerhalb von Städten liegen. Auf der gebuchten Route kann man an diversen Orten aussteigen, so lange verweilen, wie es einem gefällt und die Reise dann fortsetzen. Die Reiseleiter informieren Dich umfassend über Land und Leute und außerdem ist es so einfach, Freundschaften mit anderen Reisenden zu schließen.

Outback

Übernachten

Die meisten Backpacker übernachten im Hostel. Diese sind kostengünstig und man findet sie in Australien selbst in abgelegenen Orten. Die Übernachtung im Mehrbettzimmer kostet zwischen 10 und 20 Euro, für eine Nacht im Doppelzimmer fallen um die 25 Euro pro Person an. Gemeinschaftsküche, Aufenthaltsraum, Waschmaschinen und Computer mit Internetzugang gehören zur Standardausstattung. Wer im Hostel übernachtet, wird schnell auf Gleichgesinnte treffen. Beim Zusammensitzen im Aufenthaltsraum und Begegnungen in der Küche erfährt man schnell, was es in der Stadt zu erleben gibt, welche anderen Orte man unbedingt besuchen sollte, wo man günstig essen kann und wo es Arbeit gibt. In Australien ist es übrigens nicht ungewöhnlich, über längere Zeit in einem Hostel zu wohnen. Das ist nicht nur billig, sondern auch bequem, da Einrichtungsgegenstände wie Geschirr, Mikrowelle und Fernseher bereits vorhanden sind. Viele Hostelbesitzer sind besonders in der Nebensaison froh, eine gesicherte Einnahmequelle zu haben und bieten Rabatte für Langzeitgäste.

Wer sich nach etwas mehr Privatsphäre sehnt, kann auch ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft mieten (etwa 100 bis 180 Euro pro Woche). Angebote findet man im Internet (zum Beispiel bei Gumtree oder Flatmates, am Schwarzen Brett im Hostel und in der regionalen Tageszeitung.

Was muss in den Koffer?

Und was gibt es beim Packen zu bedenken? Grundsätzlich gilt: Die Hälfte von dem mitnehmen, was man an Kleidung und sonstigem Gepäck zu benötigen glaubt, dafür jedoch das Doppelte an Geld. Erstaunlicherweise benötigt man als Backpacker extrem wenig und beschränkt sich schnell auf das Nötigste. Alles Übrige kann man bei Bedarf auch vor Ort kaufen.

Kleidung sollte in erster Linie leicht und bequem sein. Wichtig ist, dass du auch einige warme Sachen dabei hast, selbst wenn du überwiegend in heißen Gegenden unterwegs bist, da die Temperaturen im Outback nachts stark fallen. Auch Kopfbedeckung und Regenkleidung dürfen nicht fehlen. Viele Restaurants, Bars und Nachtclubs untersagen den Zutritt in Turnschuhen und Sandalen. Wer plant, des Öfteren auszugehen, sollte möglichst auch ein paar neutrale Schuhe dabei haben.

Empfehlenswert ist die Anschaffung einer australischen Prepaid SIM-Karte. Handy also von zu Hause mitbringen. Den eigenen Laptop benötigt man unterwegs nicht unbedingt, da es in den meisten Hostels Computer zur gemeinschaftlichen Nutzung gibt. Öffentliche Bibliotheken bieten ebenfalls kostenlosen Internetzugang. Wer nicht beabsichtigt, wochenlang in Australien zu campen, wird wahrscheinlich keinen eigenen Schlafsack benötigen. Wegen der Gefahr von Bettwanzen (sogenannten bed bugs) ist das Benutzen in den meisten Hostels sowieso untersagt und für Touren mit Übernachtung im Zelt oder unter freiem Himmel kann man Schlafsäcke ausleihen.

Ayers Rock

Sicherheit und Formalitäten

Australien gilt als sicheres Reiseland. Die häufigste Form von Kriminalität ist Diebstahl. Gefahr besteht nicht nur außerhalb des Hostels, leider kommt es auch immer wieder vor, dass Backpacker sich untereinander bestehlen. Oft gibt es im Hostel Schließfächer, in denen Du Wertsachen sicher verwahren kannst oder Du hinterlegst sie an der Rezeption. Wichtige Dokumente wie Reisepass, Flugticket und Visa solltest Du am besten vor der Abreise scannen und im eigenen E-Mail-Account speichern, so dass Du stets Zugriff auf die Daten hast.

Vor Antritt der Reise gibt es noch einige Formalitäten zu ledigen. Das Visum  muss rechtzeitig beantragt werden und der Reisepass sollte noch mindestens 6 Monate über die Reisedauer hinaus gültig sein. Durch frühzeitige Flugbuchung lässt sich oft viel Geld sparen. Du solltest auch unbedingt eine Langzeit-Auslandskrankenversicherung abschließen (zum Beispiel bei DKV, HanseMerkur oder über den ADAC; Kosten zwischen 30 und 50 Euro pro Monat). Der Besitz einer Kreditkarte ist unumgänglich. Du benötigst sie für Buchungen übers Telefon und Internet, das Anmieten eines Autos oder an der Kasse im Supermarkt. Mit den Kreditkarten einiger Banken kannst du zudem an allen Automaten weltweit kostenlos Bargeld abheben (zum Beispiel DKB und Comdirect). Besondere Impfungen sind für Australien nicht erforderlich.

Wenn all dies erledigt ist, steht dem großen Abenteuer nichts mehr im Weg.

Viel Spaß am anderen Ende der Welt!

Im nächsten Teil: Auf dem Banana Pancake Trail durch Südostasien

Im letzten Teil: Quer durch Europa

Über die Autorin:

danielakonefkeDaniela Konefke stammt aus Demmin in Mecklenburg-Vorpommern und hat in Greifswald und Stellenbosch (Südafrika) Jura studiert. Sie reist seit acht Jahren um die Welt. Mittlerweile ist sie in mehr als 90 Ländern gewesen, natürlich auch in Australien und Neuseeland, wo sie unter anderem diesen Text unter den wachsamen Augen diverser Schafe und Kiwis geschrieben hat. Ihre Erfahrungen mit dem Reisen kannst hat sie in ihrem Buch „Einmal im Leben mutig sein“ beschrieben, das im November 2009 im Kern Verlag erschienen und mittlerweile in der sechsten Auflage gedruckt ist. Von Daniela stammen auch die Bilder zu diesem Artikel.

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