Backpacking für Anfänger, Teil X: Interview mit Daniela Konefke

Backpacker Serie Lego

Im zehnten und letzten Teil unserer Backpacking-Serie für Anfänger beantwortet Daniela Konefke ein paar Fragen und erzählt von ihren Erfahrungen mit dem Rucksackreisen. Und davon hat sie eine Menge: In den vergangenen acht Jahren war sie in mehr als 90 Ländern unterwegs.

Wohin ging deine erste Backpacking-Tour und ist dabei alles glatt gegangen?

Meine erste Backpacking-Tour führte mich durch Südafrika. Dort habe ich 2005/2006 ein Jahr lang studiert und bei dieser Gelegenheit ließ ich es mir natürlich nicht entgehen, das Land ausgiebig zu bereisen. Mit einer Freundin und „Sunny“, einem wunderschönen alten Mercedes, erkundete ich damals selbst die entlegensten Ecken Südafrikas. Es war uns sehr wohl bewusst, dass unsere Tour nicht ganz ungefährlich ist und deshalb reisten wir ausschließlich bei Tageslicht und Ausflüge jenseits der Touristen-Route machten wir nur im Rahmen einer geführten Tour. Übernachtet wurde im Hostel, entweder im Mehrbettzimmer oder im Garten im eigenen Zelt. Und ja, damals ist alles reibungslos verlaufen.

Zwei Jahre später war ich in Südamerika erstmals allein unterwegs. Vor meiner Reise habe ich einige Monate im Selbststudium Spanisch gelernt, bei meiner Ankunft in Mexiko hatte ich aber dennoch große Probleme, die Leute zu verstehen. Irgendwie habe ich mich trotzdem mit öffentlichen Verkehrsmitteln bis nach Guatemala durchgekämpft und dort noch einmal zwei Wochen intensiven Einzelunterricht genommen und in einer einheimischen Familie gelebt. Eine Investition, die sich gelohnt hat: Ich verbrachte die folgenden Wochen und Monaten damit, im Bus und auf der Straße mit den Einheimischen zu plaudern und ehe ich mich versah, beherrschte ich die Sprache fließend.

Neuseeland

Im Rückblick: Was würdest du heute anders machen?

In der Anfangszeit reiste ich viel zu schnell von einem Ort zum Nächsten: drei Monate, um Australien einmal komplett zu umrunden; in acht Wochen von Helsinki bis nach Athen. Heute weiß ich, dass es sich in der Regel bewährt, auch mal einige Wochen an einem Ort zu verweilen. Besonders am Anfang der Reise ist es gut, erst mal ein Gefühl für Land und Leute zu entwickeln, bevor man ins Abenteuer startet und auch den Rest des Landes erkundet.

Wie viel Gepäck hast du auf deinen Reisen dabei?

Das hängt natürlich ganz von der Reisedauer und den klimatischen Bedingungen meines Reisezieles ab. In der Regel reise ich mit 12 bis 15 Kilogramm, verteilt auf Handgepäckstück und Trekking-Rucksack. Schlafsack und Laptop machen einen Großteil des Gesamtgewichtes aus. In Südostasien und Indien kam ich dagegen mit lediglich acht Kilogramm aus, da ich kaum warme Kleidung benötigte. Zudem kleidete ich mich damals vor Ort ein, trug die Sachen einige Monate und kaufte dann Neue und verschenkte die Alten. Grundsätzlich gilt: Die Hälfte von dem mitnehmen, was Du an Gepäck zu benötigen glaubst, dafür jedoch das Doppelte an Geld.

Auf welchen Teil des Gepäcks kann man deiner Erfahrung nach getrost verzichten?

Überflüssig ist all das, was man als „Ersatz“ zu benötigen glaubt. Stellt man unterwegs fest, dass irgendetwas fehlt, kann man es schließlich auch noch vor Ort anschaffen. Kleidungsstücke, die ich innerhalb von drei Wochen nicht einmal getragen habe, verschenke ich in der Regel an Einheimische, da diese anscheinend nicht in die Kategorie „Überlebensnotwendig“ fallen. Shampoo, Body-Lotion und Sonnencreme stellen einen entscheidenden Gewichtsfaktor dar, von daher kleine Tuben einpacken und unterwegs nachkaufen.

Wie finde ich ein geeignetes Ziel für meine erste Backpacking-Reise?

Gute Einstiegsländer sind etwa Australien und Neuseeland: Die Landessprache ist Englisch, die Kriminalitätsrate niedrig und es gibt selbst in kleinen Orten Hostels, so dass man schnell auf Gleichgesinnte trifft. Im Rahmen eines Working Holiday-Aufenthaltes besteht zudem die Möglichkeit, die Reisekasse unterwegs durch Nebenjobs aufzubessern. Studenten können ihre Reisen natürlich auch mit Praktika oder einem Auslandssemester verbinden.

Wer noch nie zuvor gereist ist, sollte überlegen, ob er nicht vielleicht erst einmal einen kurzen Ausflug in die nähere Umgebung organisiert, statt gleich bis ans andere Ende der Welt aufzubrechen. Eine Städtereise ins europäische Ausland ist kostengünstig und gibt einen ersten Einblick ins Backpacker-Leben.

Bangladesch

Was war deine schönste Backpacking-Erfahrung?

Nach acht Jahren des Reisens ist es natürlich schwierig, ein einzelnes Erlebnis auszuwählen. Grundsätzlich habe ich die besten Erfahrungen in Ländern und Gegenden gemacht, die bislang vom Tourismus unberührt geblieben sind. Im letzten Jahr reiste ich drei Wochen lang durch Bangladesch und traf während meines gesamten Aufenthaltes keine anderen Touristen. Dennoch blieb ich nirgends lang allein. Ich hatte mein Hotel kaum verlassen und es kam auch schon jemand auf mich zu, der ein wenig Englisch sprach. Wenige Minuten später versammelten sich bis zu 50 weitere Personen um uns und beobachteten mich neugierig, hatten doch viele von ihnen noch nie zuvor einen Ausländer gesehen. Täglich wurden ich von Fremden zu sich nach Hause eingeladen, oftmals gleich für mehrere Tage. Als Highlight meiner Reise wurde ich als Ehrengast auf einer Hochzeit begrüßt. Ähnliche Erfahrungen machte ich auch in Albanien, Paraguay und auf Tonga.

Und natürlich auch das Gegenteil: Was war deine schlimmste Erfahrung beim Backpacken?

Während meiner Reise durch Südamerika wurde ich am helllichten Tag überfallen. Ich spazierte durch die Straßen von Rio de Janeiro und bemerkte dabei nicht, dass ich mich immer weiter von den Menschenmengen entfernte. Wie aus dem Nichts tauchten plötzlich zwei Straßenkinder neben mir auf, drängten mich gegen die Wand, nahmen Kamera und Geld aus meiner Tasche und machten sich damit aus dem Staub. Glück im Unglück: Ich hatte gerade erst am Vortag sämtliche Fotos auf eine CD brennen lassen und verlor kaum Fotos. Zudem war ich kurz vorher ordentlich einkaufen, so dass ich kaum Bargeld übrig hatte. Erfreulich war dieser Zwischenfall natürlich nicht, aber ich verbuchte das Geschehene einfach als Erfahrung. Denn ein Gutes hatte der Vorfall letztlich doch: Er öffnete mir die Augen für spätere potentielle Gefahren. Nach dem Überfall überlegte ich zweimal, ob bestimmte Gegenden wirklich sicher waren oder ob es nicht vielleicht doch besser war, umzukehren. Ich verhielt mich fortan wieder vorsichtiger und entging so eventuell Schlimmerem.

Wineglass Bay auf Tasmanien

Machst du auf deinen Reisen viele Fotos? Und wenn ja, wie viel Foto-Equipment hast du dabei und wie transportierst du es?

Ich mache auf meinen Reisen ständig Fotos, jedoch längst nicht mehr so viele wie in der Anfangszeit. Früher fotografierte ich Landschaften und Sehenswürdigkeiten oft bis zu 20 mal aus verschiedenen Blickwinkeln, heute reichen mir auch ein bis zwei Fotos. Bin ich mit diesen im Nachhinein unzufrieden, finde ich später auch Bilder im Internet, oft sogar von besserer Qualität. Nach wie vor mache ich viele Fotos von meinen Erlebnissen mit den Einheimischen. Ich reise mit einer preiswerten Digital-Kamera, die sich leicht transportieren lässt und immer in meiner Tasche befindet.

Wo würdest du mit dem Rucksack gerne noch hinreisen?

Überall dorthin, wo ich bisher noch nicht gewesen bin. Für das nächste Jahr sind Reisen nach Alaska, in die Dominikanische Republik, nach Puerto Rico und Island geplant. Irgendwann möchte ich auch unbedingt noch einmal für ein paar Monate durch Afrika reisen.

Machst du ab und zu auch noch „normalen“ Urlaub?

Zwei Wochen All-Inclusive-Urlaub kann ich mir heute nicht mehr vorstellen. Meine Eltern sind zum Glück ebenfalls recht abenteuerlustig, denn wir treffen uns einmal im Jahr irgendwo in der Welt, um ein paar Wochen lang gemeinsam zu reisen. Ob Camping-Urlaub in Australien oder mit Rucksack und öffentlichen Verkehrsmitteln durch Sri Lanka, meine Familie und Freunde machen so ziemlich alles mit.

Vielen Dank für das Interview!

Im letzten Teil: Der Gringo Trail in Mittelamerika

Eine Übersicht über die ganze Serie findest Du im ersten Teil.

Zur Person:

danielakonefkeDaniela Konefke wurde in Demmin in Mecklenburg-Vorpommern geboren, hat Jura an der Universität Greifswald und an der Universität Stellenbosch in Südafrika studiert. Seit mehr als acht Jahren reist sie mit dem Rucksack durch die Welt und hat mittlerweile über 90 Länder bereist. Vom Reisen und ihren Erlebnissen schreibt sie in ihrem Buch „Einmal im Leben mutig sein„, das im November 2009 im Kern Verlag erschienen und mittlerweile in der sechsten Auflage erhältlich ist.

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